Manchmal kommt man einfach zu spät…

Vor wenigen Tagen rief mich ein Freund an und berichtete vom Tod eines gemeinsamen Bekannten.

Ich wollte es nicht wahrhaben, ich traute mich auch nicht, näher nachzufragen, es wären nur wenige Meter gewesen zum Hause dieses nun Verstorbenen. Dort hätte ich Gewissheit erfahren. Ich war zu feige, der Wahrheit entgegenzutreten und hoffte, dass es irgendwie eine Falschmeldung sei.

Heute lese ich in der Sonntagsausgabe der Regionalzeitung, dass gestern bereits die Beerdigung stattgefunden hatte.

Als ich vor wenigen Wochen vom tragischen Schicksal, dass diesen jungen Menschen ereilte erfuhr, Lungenkrebs, war ich zuerst sehr traurig! Für ihn, für seine Familie empfand ich tiefstes Mitgefühl. Dann überkam mich aber echte Wut, weil es immer Wege gibt, wenn es nicht zu spät ist… Ich versuchte Kontakt aufzunehmen, die Telefonverbindungen waren irgendwie gestört. Also raste ich zu ihm, es sind nur einige Meter den Berg hinauf. Ich erreichte ihn. Der Tod stand leibhaftig vor mir! Dieser große, kräftige Kerl, der Bäume auszureißen in er Lage war, der stand vor mir, aber er war nur noch die Hälfte vom blühenden Leben! Unter Tränen beschwor ich ihn, dass er sich auf die Natur besinnen solle, dass es niemals zu spät sein kann, wenn man mit der Natur die gesunden Zellen mit ausreichender, richtiger Nahrung versorgt, dass man auch diese kritische Situation meistern kann und wird. Ich flehte ihn an, ich schrie mit ihm, er wird mich für verrückt gehalten haben, aber meine Tränen müssen ihm signalisiert haben, dass ich es ehrlich meinte! – Am späten Nachmittag meinte Frau das laute Geräusch der dort im Haushalt vorhandenen perfekten Saftpresse zu vernehmen! – Sollte mein Appell geholfen haben!? Die perfekte Maschine und ‚mein‘ Buch mit der einzig richtigen Saftmischung waren doch seit Jahren dort im Haushalt vorhanden, dass konnte und musste doch gut ausgehen!

Ich traute mich nicht, nachzufragen, weil die Menschen ja schon alle immer alles besser wissen und tatsächlich waren erfolgreiche Beispiele mehr als greifbar, auch dieser Familie zuvor von mir vermittelt worden! Ich konnte ja nicht mehr tun, als an die eigene Vernunft zu appellieren.

Offensichtlich war der Kampf um das Leben des Matthias H. schon verloren, als ich durch einen Zufall von seinem Todeskampf erfuhr. Ich weiß auch viel zu wenig über die Umstände, die komplette Situation. Ich weiß nur eines: Das Leben ist nicht gerecht, denn dieser junge Mann hatte eine so bewundernswerte Gabe, zu allen und überall immer höflich, freundlich und vor allem hilfsbereit zu sein! Er war bei der Feuerwehr im Ort und opferte sicher endlose Stunden für die Allgemeinheit. Er war in einigen Vereinen und doch hatte ich den Eindruck, dass er so ziemlich allein war und diese Situation auch liebte. Er war immer da, wenn man ihn mit seinen Kenntnissen ‚gebrauchte‘. Ich habe mit ihm auf unserem Grundstück vom Bäumeschneiden bis zur Dachreparatur einiges unternehmen dürfen… und doch mache ich mir Vorwürfe, dass es mir in den Jahren unseres Hierseins nicht gelang, ihn zu einem echten Kumpel, besser, Freund zu gewinnen. Ja, so bleibt er mir leider nur als, wie ich weiter oben schrieb, guter Bekannter auf meinem Weg in allerbester Erinnerung. Ich wünschte, es wäre viel ‚mehr‘ gewesen! Sorry, mein lieber Matthias H., und ich schreibe diese Zeilen mit ehrlichen Tränen!

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