Armut

Es wird mal wieder viel geredet in Deutschland, in diesen Tagen besonders über das Thema ’Armut’. Wie sehr man auf der Höhe des Geschehens im Lande ist wird deutlich, wenn heute im Jahr 2008, auch schon der Bericht für das Jahr 2005 vorliegt. ’Man’ ist also der Staatsapparat. Toll! Als kleiner Mittelständler, völlig frei, ohne jede soziale Hängematte, ohne jede jemals erhaltene Subvention, ohne jemals einen Pfennig öffentlichen Zuschuss, mit ganz direkter Verantwortung für rund 40 Menschen, hatte ich vor vielen Jahren meine Einkommenssteuer vierteljährlich im Voraus zu erklären. Basierend auf Zahlen, die im Vierteljahr zuvor Fakten waren, die aber morgen vielleicht gar nicht wieder erreicht wurden, musste ich Einkommenssteuer-Vorauszahlungen leisten. 50.000 DM wollte der Staat zum Beispiel damals von mir haben, so etwas kann man nicht vergessen. Ich hatte meinen eigenen Weg gefunden, dafür war ich ja wirklich ’frei’. Das ist auch nicht mein Thema; das wird heute nicht anders laufen. Ich kann kaum verstehen, und es war mir 60 Jahre lang zuwider jemals einen solchen Gedanken zu fassen, wo sich doch jeder sonst so frei selbst bestimmen und verwirklichen darf wie er will, dass stets und überall und immer wieder nach dem Staat gerufen wird! Der Staat soll hier helfen, der Staat soll dort zuschießen, weil es an irgendetwas mal wieder mangelt. Und es mangelt natürlich immer und ständig! Auf der anderen Seite verlangen die gleichen Menschen immer ’weniger Staat’, immer ’weniger Bevormundung’, aber kommen in ihrem eigenen, selbst gewählten Alltag nicht zurecht und erbitten Hilfe zum Überleben! Ja, der Staat, das sind die Bürger alle zusammen! Wer da also auf einem Amt nach Hilfe durch den Staat ruft, der schreit in die direkte Nachbarschaft: „Hier bin ich und da ich weniger habe als Ihr, bin ich bedürftig, bitte gebt mir einen Zuschuss für mein Leben, ich will auch teilhaben!“ Und was es alles für Förderungen gibt! Wenn man nicht wirklich bedürftig ist, erfährt man es ja erst durch die Medien. Dennoch muss ich ganz bewusst provokant formulieren: Wenn eine noch so fleißige junge Mutter, mit zwei kleinen Kindern, allein erziehend, mit drei Jobs sich mehr schlecht als recht über Wasser halten müssend, am Abend völlig fertig ist und beklagt, dass noch nicht einmal Zeit bleibt, um wenigstens für ein paar Minuten zu sich selber zu kommen… mal ein Buch zu lesen…, dann ist das diskutierte Fernsehthema, die Armut, greifbar! Und es ist ganz schlimm, dass diese junge Frau tatsächlich drei (sicher kleine) Jobs braucht, die jeder für sich nicht ausreichend genug bezahlt werden, um dann wenigstens in der Summe davon einigermaßen zu existieren, und das gelingt auch nur sehr schwierig. Das ist und bleibt die große Sauerei in der Gesellschaft, dass Arbeit sich sehr häufig nicht mehr lohnt und der Einsatz, den sehr viele inzwischen leisten müssen, nicht entsprechend vergütet wird und damit der Alltag zum erlebten Wahnsinn wird. Und die Folge? Eine kaputte Familie, die gar keine Familie ist, weil der Vater fehlt! Dann möchte ich den Blick auf diese wirklich durch und durch kranke Gesellschaft richten. Warum ist diese junge Frau allein erziehend? Okay, das selbst gewählte, oder leider so erlittene Schicksal, ist nicht immer fair mit den Menschen. Es ist doch eine traurige Tatsache, dass als Ergebnis der hohen Zahl an zerrütteten und geschiedenen Ehen, die Kerle meistens auf und davon sind und die Weiber mit ihren Balgen auf der Strecke bleiben! Natürlich meint ’man’, und da fing der Irrsinn vor Jahren schon an, es musste ja unbedingt heißen, meint ’Frau’, das Leben alleine dann besser ohne den ekelhaften Erzeuger der Kinder meistern zu können… Irrtum! Wie kann etwas alleine besser klappen, wenn es zuvor nicht zu zweit funktionierte? Das geht nur in den wenigsten Fällen wirklich gut. Und wer das leugnet, der muss die Defizite dieser Kinder dann Jahre später beachten: Aus gestörten Verhältnissen können kaum neue geordnete Verhältnisse erwachsen. Ich bin allein verantwortlich für meinen Weg und wenn der dann in einer Sackgasse endet, rufe ich den Staat um Hilfe? Ich bin nicht in der Lage mein kleines bisschen Leben so zu ordnen, dass ich ohne Klagen weiterkomme? Ich habe keine Familienangehörigen, keine Oma, Mutter, Freunde, Bekannte oder ähnlich? Sind das alles nur noch erkaltete, zwar irgendwo funktionierende Gestalten, nur nicht in der eigenen Familie? Es sollten sich alle Betroffenen sehr schnell besinnen, dass es unweit schwieriger ist, allein gegen die manchmal brutalen Umstände des Lebens anzugehen, wenn nämlich die persönliche Freiheit letztlich gegen tiefe Abhängigkeit von der Allgemeinheit eingetauscht wird, dass es dann vielleicht am Ende doch besser ist, mit dem (ehemals) vertrauten Partner einen Kompromiss für das Leben zu finden!? Zum Wohle der Kinder, nicht vorgespielte heile Welt! Kinderarmut wird immer am lautesten diskutiert! Kinder werden aber in die Welt gesetzt und nach 9 Monaten spätestens beginnt größte Verantwortung, bis… vielleicht ein Leben lang! Nur auf der Basis funktionierender Familien kann eine Gesellschaft existieren, und das müssen die Bürger aus ihren Köpfen und Herzen heraus alleine leisten! Sonst brauchen sie sich nicht in die gemeinsame Kiste legen und Kinder zu produzieren. Es müssen vom Staat, und das sind alle Bürger, Voraussetzungen und Bedingungen geschaffen werden, dass die geleistete Arbeit ausreichend vergütet wird, damit dann zufriedene Arbeitnehmer die Bedürfnisse der Familie Zuhause erfüllen können. Und nicht, wie es heute ist und immer brutaler zu werden scheint, wo sich der üble Frust aus der Arbeitswelt bis in die kleinste Familie so niederschlägt, dass diese letztlich zerbricht… und ’man’ (und ’Frau’) dann besser getrennte Wege geht, weil man den eigenen Ärger sowieso nicht mehr mit einer intakten Familie ausgleichen kann und diese nur noch als Ballast empfindet. Die armen Kinder! Welche Zukunft haben die und die Kinder dieser Generationen?

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